Andacht zum 18. Januar 2022

von Karin Niederkrome

 

Micha 7, 14: Weide dein Volk mit deinem Stab

Johannes 10, 4: Die Schafe folgen dem Hirten nach, denn sie kennen seine Stimme.

 

„ … dein Stecken und Stab trösten mich“, ist wohl die bekannteste Stelle, die das Bild von dem Stab und dem Stecken eines Hirten aufnimmt. Überall in der Bibel wird von dem Stab und dem Stecken geschrieben: Mose hat mit seinem Stab die Plagen in Ägypten ausgelöst. Er hat das Rote Meer geteilt mit seinem Stab. Aaron war der Anführer des Stammes der Leviten. Er sorgte dafür, dass jeder Anführer der zwölf Stämme Israels einen Stab bekam mit seinem Namen zum Zeichen er Macht. Aarons Stab erblühte am nächsten Morgen und trug reife Mandeln. Das Zeichen: Er sollte der Anführer des Volkes sein. Und so gibt es eine Vielzahl von Textstellen in der Hebräischen Bibel und im Neuen Testament, in denen der Hirtenstab eine Rolle spielt. So auch in unserer Losung heute.

Micha lebte etwa um 700 vor Christus und prophezeite den Untergang Jerusalems und des Tempels. Er beklagte sehr anschaulich die üblen Missstände im Volk, und er bittet Gott: „Führe mit deinem Stab dein Volk auf die Weide“ und ich führe fort: „ die Schafe, die dein Erbbesitz sind, die einsam lagern in einer Wildnis mitten im fruchtbaren Land.“

Ohne den Hirten mit seinem Stab, mit seiner Macht, ist das Volk verloren. Die Herde weiß nicht mehr, wohin sie ziehen soll, wo es Gras gibt für sie. Sie sind ohne Führung, wenn der Hirte fehlt und irren und verirren sich..

Und der Hirte wird auch angesprochen in unserem Lehrtext: Johannes 10,4: Die Schafe folgen dem Hirten nach, denn sie kennen seine Stimme.“

Schauen wir uns die Besonderheiten in Israel zur Zeit Jesu an:

Viele Schafe vieler Hirten wurden abends in einen großen Pferch geführt. Das Tor wurde verschlossen. Am nächsten Morgen kamen die Hirten wieder zu dem Tor und ein jeder Hirte rief seine Schafe. Die Schafe kannten die Stimme des Hirten und gingen mit dem Hirten aus dem Tor hinaus auf die neue Weide. Ein anderer Hirte rief seine Schafe und auch sie gingen mit ihrem Hirten aus dem Pferch durch das Tor hinaus. Jesus sagt: „Wer nicht durch die Tür hineingeht, sondern anderswo einsteigt, ist ein Dieb und ein Räuber.“ Es gab damals wie heute viele vermeintliche Führer, die dem Volk aber nicht gut gesonnen waren, sondern nur auf ihren eigenen Profit aus waren. Jesus sagt: „Wer aber durch die Tür eingeht, dem öffnet der Türhüter und die Schafe hören auf seine Stimme; er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus. Wenn er alle seine Schafe hinausgetrieben hat, geht er ihnen voraus und die Schafe folgen ihm; denn sie kennen seine Stimme. Einem Fremden aber werden sie nicht folgen, sondern sie werden vor ihm fliehen, weil sie die Stimme des Fremden nicht kennen.“

Nun deutet er sein Gleichnis: Er selbst ist die Tür zu den Schafen. Alle, die vor ihm kamen, hatten keine guten Absichten; aber die Schafe haben nicht auf sie gehört. Sie waren verloren und verstreut ohne ihn. Sie hatten keine Nahrung und niemand kümmerte sich um sie, so wie Micha es in dem Losungstext beschreibt. Jesus Christus ist die Tür; wer durch diese Tür ein- und ausgeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden im Überfluss. Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten, seinen eigenen Nutzen zu ziehen und zu vernichten; Jesus ist gekommen, damit wir das Leben haben und es sogar in Fülle haben.

Freuen wir uns und bitten den Herrn um die Gnade, weiter von ihm gerufen zu werden, mit ihm eine Orientierung zu haben und behütet zu werden.