Geschichten zum Freuen und Erinnern von Karin Niederkrome

Sünne Märtin

Liebe Leserin, lieber Leser

heute ist der 10. November 2020. Aber was ist so Besonderes an diesem Datum? Alle Kinder, die eigentlich heute zum „Sünne Märtin“ Singen unterwegs gewesen wären, wissen das bestimmt. In diesem Jahr werden wenige Kinder abends unterwegs sein, allein oder mit ihren Eltern wegen der Corona-Pandemie. Vielleicht kennen aber auch viele Kinder heute die Bezeichnung „Sünne Märtin“ gar nicht mehr und schon gar nicht die Lieder, die wir damals gesungen haben.

Sie werden sich alle noch sehr gut erinnern.

Je näher der Tag des 10. Novembers kam, desto aufgeregter wurden wir. Tagelang hatten wir uns schon überlegt, wie wir uns wohl verkleiden könnten. „Ich gehe als Prinzessin!“ – „Ne, das war ich letztes Jahr! Ich gehe als gute Fee!“

Die Mädchen verkleideten sich gerne als Märchen- oder Tierfigur, dabei konnte man sich so schön schminken. Die Jungen gingen oft als Seeräuber oder Bandit, als Feuerwehrmann oder Polizist, als Indianer oder Cowboy. Da konnte man sich auch anmalen, aber nicht so rosa, wie die Mädchen.

Und so hatte jede und jeder seine Ideen, wie es am besten wäre, sich zu verkleiden und zu schminken.

Nachmittags ab 15:00Uhr war man schon sehr aufgeregt und konnte es nicht abwarten, bis es endlich etwas dunkler wurde. Man begann sich zu verkleiden. Warme Pullover und lange Hosen musste man auf jeden Fall unter seine langen Kleider und Röcke anziehen. Dann kam das Schönste: Das Schminken. Die Fee hatte zarte weiche Farben im Gesicht, die Hexe hatte Warzen aufgemalt und schmutzige Farben im Gesicht, alle trugen wir die passenden Hüte dazu. Damals hatte jede Frau noch viele Hüte im Schrank und einer passte zum Kostüm. Die Jungen hatten auch alle ihre passenden Hüte: Die Polizeimütze, den Feuerwehrhut, die schwarze Augenklappe und die schwarzen Bartstoppeln im Gesicht, die Indianerfeder im Haar und den Cowboyhut auf dem Kopf. Hauptsache, es erkannte uns keiner und wir waren etwas Besonderes.

Ganz wichtig war natürlich ein Beutel, der sich hoffentlich bis ganz oben hin füllte im Laufe des Abends. Und die Laterne war wichtig, wie es in dem Laternenlied heißt:

Laterne, Laterne, Sonne Mond und Sterne, flamme auf das Licht, flamme auf, das Licht, nur meine liebe Laterne nicht.

Das passierte schon einmal, dass die schöne Laterne unterwegs verbrannte, vor allen Dingen, wenn es ein stürmischer Abend war durch den wir gingen. Elektrische Birnen gab es damals noch nicht für die Laternen, die kamen erst in den 70iger Jahren.

Um 17:00Uhr kamen endlich auch die Freundinnen, mit denen man sich seit Tagen verabredet hatte und endlich konnte der Zug losgehen.

Der Weg war ganz einfach, man ging von Haus zu Haus und je älter wir wurden, desto weiter gingen wir.

Geschellt wurde an den Haustüren nicht, man musste so laut singen, dass uns die Bewohner im Haus auch hören konnten.

Sünne Märtin, cheo Mann, wer us woll wat chiebn kann, Äppel or Birnen, Nötte or Pleomen. Violine, Violane, wui scheon es de Dame, Violine, Violane, wui scheon es de Herr.

Lot us nech teo lange stohn, wü möt no ‘nen Huisken fuider chohn. Van hür bet no Köln. Köln es ‘ne chraute Stadt. Do chiebn os olle Luie wat. Violine, Violane wui scheon es de Dame, Violine, Violane wui scheon es de Herr.

Un wenn de Schlöttel klappern, dann bring seo us en Appel, un wenn de Schlöttel klingeln, dann wer’n se us wat bringen.

Schlipp, schlapp, Hosenschlapp, lewe Lui bingt us wat.“

So sangen wir und bis dahin hatten die Leute die Türen geöffnet und wir wurden bewundert: „Oh, ihr seht ja toll aus! Wer seid ihr denn? Wir erkennen euch ja gar nicht!“ Und dann waren wir stolz und lachten und verrieten unsere Namen. Wahrscheinlich hatten sie uns schon längst erkannt, aber sie spielten alle mit. „Dann macht mal eure Beutel auf!“ Und sie nahmen ihre vorbereiteten Schüsseln mit den Süßigkeiten und gaben uns alle eine Kleinigkeit. Wir bedankten uns und liefen zum nächsten Haus.

Oh, hier müssen wir ‚Ein feste Burg‘ singen!“, sagten wir, wenn wir an in Haus kamen, in denen besser gestellte Leute wohnten. Und so begannen wir:

Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen. Er hilft uns frei aus aller Not, die uns jetzt hat betroffen. Der alt böse Feind mit Ernst er’s jetzt meint; groß Macht und viel List, sein grausam Rüstung ist, auf Erd ist nicht seinsgleichen.

Mit unsrer Macht ist nichts getan, wir sind gar bald verloren; es streit‘ für uns der rechte Mann, den Gott selbst hat erkoren. Fragst du, wer der ist? Er heißt Jesus Christ, der Herr Zebaoth, und ist kein andrer Gott, das Feld muss er behalten.“

Diese beiden Strophen sangen wir, wenn wir wussten, die Leute im Haus wollten lieber ein christliches Lied hören, als das plattdeutsche „Sünne Märtin“.

Und so füllten sich auch hier unsere Beutel.

Nach einer oder zwei Stunden mussten wir wieder zu Hause sein. Traurig waren wir, wenn einige Leute nicht aufmachten, auch kein Licht in ihren Fenstern brannte. Dann gingen wir eben an dem Haus vorbei.

Zuhause angekommen, sangen wir natürlich noch einmal, der Beutel war noch nicht ganz voll.

Wie viele haben denn hier gesungen?“ – „Oh, heute waren bestimmt 20 Kinder da!“

Nun aber ging es in die warme Küche und der Beutel wurde auf dem Tisch ausgeleert. Buntbemalt mit leicht verschmierten Gesichtern begutachteten wir nun unsere Schätze. Neben Äpfeln, Mandarinen und Nüssen, worüber wir uns nicht sooo sehr freuten, gab es auch herrliche Süßigkeiten: Schokolade, Gummibärchen, Kaubonbons, Pfefferminzbonbons, rote Lutscher und Nappos. Manchmal waren auch ein paar Groschen dabei. „Von wem habt ihr die denn bekommen?“ Das wussten wir natürlich genau.

Eine große leere Schüssel wurde geholt, in der die Schätze aufbewahrt wurden.

Und in den nächsten Tagen tauschten meine Schwester und ich auch die Süßigkeiten aus, wenn man gerade Lust bekam auf das, was man selbst nicht mehr in seiner Schüssel hatte.

Als mein Mann und ich gerade verheiratet waren, bereiteten wir uns auf unser erstes „Sünne Märtin“ in unserer neuen Wohnung vor. Wir packten kleine Süßigkeiten in Zellofantüten und banden kleine Schleifen darum. Ein ganzes Tablett hatten wir vorbereitet. Draußen liefen viele Kinder mit ihren Laternen und Beuteln und sangen an allen Haustüren. Nur zu uns kam niemand. Das Licht vor der Haustür brannte und auch unsere Fenster waren hell erleuchtet. Niemand kam. Später erfuhren wir, dass die Kinder in dem Haus nie etwas bekommen hatten, so dass sie auch in diesem Jahr nicht bei uns sangen. Das war im nächsten Jahr anders.

Als unsere Kinder so weit waren, bastelten wir im Kindergarten Laternen und zogen mit unseren Kindern und anderen Müttern in die Nachbarschaft und sangen. Damals wohnten wir schon in Berlebeck und da war es üblich, dass die Kinder das Süße bekamen und wir einen Schnaps, auch wenn wir gar nicht gesungen hatten. Das waren feuchtfröhliche Sünne Märtin Abende.

Vor ein paar Jahren bin ich mit unserem Enkel von Haus zu Haus gezogen. Das ist in diesem Jahr nun leider gar nicht mehr möglich, aber ich denke gerne an die Zeit zurück. Vielleicht nächstes Jahr wieder?

Eigentlich wurde ja gar nicht am 10. November gesungen. Der Martinstag ist der 11. November, das ist der Todestag des Heiligen Martins. Wir erinnern uns dabei an die Geschichte des römischen Soldaten, der seinen Mantel mit einem Bettler teilte. Später wurde dieser Martin Bischof. Als ich Kind war, ritt am 11.11. über den Marktplatz in Detmold ein Mann auf einem Pferd als „Heiliger Martin“ in einer römischen Uniform mit dem halben roten Mantel. Er und seine Gehilfen verteilten Tüten mit Süßigkeiten an die Kinder. Wohl immer noch ein Zeichen dafür, wie wohltätig Martin war.

Und warum wird bei uns am 10. November gesungen? Die Familie Luther hatte am 10. November 1483 einen Sohn bekommen. Der wurde am 11. 11. getauft und erhielt den Namen des Tagesheiligen, nämlich Martin. Und zu Ehren und Erinnerung an Martin Luther ziehen wir an seinem Geburtstag, am 10. November, von Haus zu Haus und singen das Lied: „Ein feste Burg ist unser Gott“.

Am Martinstag wurde früher auch der Pachtzins bezahlt und die Mägde und Knechte, auch die Soldaten, bekamen ihren Jahreslohn. Meistens blieben die Knechte und Mägde ja bei ihren Bauern, aber am Martinstag war ihr Arbeitsjahr zu Ende und es konnte ein neuer Vertrag bei ihrem Bauern oder bei einem anderen Bauern geschlossen werden.

Und was hat die Gans mit dem 11. November zu tun, die Martinsgans?

Der Legende nach hatte sich der Heilige Martin in einem Gänsestall versteckt. Er sollte Bischof werden. Er war aber sehr bescheiden und traute sich das Amt nicht zu. Die Gänse schnatterten wild und verrieten ihn dadurch. Daraufhin sollen alle Gänse geschlachtet worden sein. Na,ja,…

Die Gänse konnten aber nicht den Winterüber durchgefüttert werden, wie auch einige andere Tiere nicht. Und so begann mit dem Martinstag das Schlachten der Tiere auf den Höfen. Die Gänse wurden dann in einem Festmahl auf dem Hof verspeist. Danach begann die vierzigtägige Fastenzeit bis Weihnachten, in der es keine Braten mehr gab. Jetzt wurden die kleinen Plätzchen gebacken, eine schmale Mahlzeit, die das Fasten noch gerade zuließ.

Und heute? Es werden wunderbare Plätzchen gebacken, die mit dem Fasten gar nichts mehr zu tun haben.

Bleibt noch eine Frage offen: Warum gehen die Kinder mit Laternen zum Singen?

Dafür gibt es auch mehrere Gründe. Ursprünglich wurden aus den Rüben Laternen geschnitzt, das kenne ich auch noch aus meiner Kindheit. Runkeln wurden ausgehöhlt und mit einer Kerze im Innenraum versehen. Mit diesen von innen beleuchteten Runkeln zog man durch das Dorf auf die Felder und zündete Feuer an, mit dem trockenen Laub der geernteten Feldfrüchte zum Dank und zu der Erinnerung an eine gute Ernte.

Das Licht spielte in der dunklen Jahreszeit, die mit dem 12. November begann, eine große Rolle. Nun begann der finstere Teil des Jahres. Die Finsternis sollte aber nicht Überhand nehmen. Mit den Runkellaternen oder mit Fackeln brachte man Licht in die Dunkelheit. Aus diesem Lichterzug ist das Singen der Kinder mit leuchtenden Laternen in kleinen Gruppen von Haus zu Haus entstanden und daraus auch die Laternenumzüge der Kindergärten.

Wochenlang basteln die Erzieher mit den Kindern an ihren Martinslaternen, malen sie an und verzieren sie. Jede Laterne sieht anders aus und wunderschön. In diesem Jahr bleiben die meisten Kinder mit ihren Laternen leider zu Hause.

Im Fernsehen habe ich von einer wunderschönen Idee gesehen und gehört. Einige Nachbarn in Lemgo haben sich zusammengetan und süße Tüten gepackt und vor die Türen gestellt. Die Kinder kommen in diesem Jahr mit ihren Eltern zu den Nachbarn, singen und nehmen sich eine der gepackten Tüten mit in ihre Beutelchen.

Das ist doch wirklich eine gute Idee, wie man in der Corona-Zeit auch „Sünne Märtin“ singen kann.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie vielleicht auch bedacht werden mit einer kleinen Süßigkeiten, auch wenn Sie nicht von Haus zu Haus gehen.

Aber vielleicht haben Sie Lust bekommen, das Sünne Märtin Lied zu singen oder ein Laternenlied?

Auf jeden Fall wünsche ich Ihnen viel Freude beim Erinnern und gute Gespräche

mit herzlichen Grüßen von

Karin Niederkrome

Bleiben Sie behütet!

 

Wie es früher war - Vorratshaltung

Lieber Leser, liebe Leserin,

die Welt um uns herum ist plötzlich wieder still geworden, so empfinde ich es. Wir müssen uns an die auferlegten Kontaktverbote halten, damit die Zahl der Corona-Infizierten sinken kann. Hoffen wir, dass sich jetzt alle Menschen an die Regeln halten, damit wir gesund bleiben können.

Heute möchte ich Ihnen davon schreiben, wie sich schon immer im Oktober/November die Aktivitäten und das Leben und Arbeiten im Garten in das Haus verlagerten, weil der Garten abgeerntet und es draußen zu kalt geworden war.

So war das auch bei uns zu Hause schon. Porree und Braun- und Grünkohl standen noch vereinzelt in Reihen im Gemüsegarten, alles andere war eingemacht in Gläsern, eingeweckt in die Weckgläser.

Im Vorratskeller standen die hohen 1 ½ l Gläser in den Regalen nebeneinander aufgereiht. In Omas Keller gab es zwei große Regale, eines an der Wand geradeaus, wenn man in den Keller kam, eines zur rechten Seite hin. An der dritten Wand standen die Schlachterleiter und  der lange Trog, der kleine Trog, in dem die Blutwurst zubereitet wurde und  der große Kessel für das Wursten. Auch der Einkochtopf und der Entsafter aus Aluminium standen vor dieser Wand und der Weißkohlhobel und der Steintopf mit dem Sauerkraut.

An der vierten Wand, geradeaus, stand ein alter Holztisch. Unter den Tisch waren die Sandkisten mit den Möhren, Steckrüben und dem Sellerie geschoben. Allein wegen dieser Gemüse musste es in diesem Kellerraum dunkel und kühl sein.

Vor dem Tisch stand die alte Zentnerwaage. Auf eine breite Holzplatte wurden dort die Getreide- und die Kartoffelsäcke gelegt – auch mal ein Schwein gestellt -, vorne auf eine kleine Holzplatte legte man die schweren Gewichtsstücke, so viele bis der Messstab waagerecht stand.

Über dem Tisch gab es das oben abgerundete Kellerfenster mit zwei Holzplatten verdunkelt. Jede hatte einen Holzgriff, mit deren Hilfe man die Holzplatten auch entfernen konnte.

Aber die meiste Zeit war es in diesem Keller dunkel und nur, wenn man den dicken Bakelit-Schalter mit einem lauten Klack umdrehte, spendete eine schwache Glühbirne Licht im Keller. 

Der Blick fiel als erstes auf das linke Regal an der Wand, in dem auf zwei Böden die Boskoop-Äpfel und die William-Christ-Birnen lagerten. Sie lagen in langen Reihen mit Stiel nach oben dicht an dicht. Und der Duft verteilte sich im ganzen Raum. Die Birnen waren bis Weihnachten weich und saftig und wurden bis dahin auch verzehrt. Die Äpfel konnten bis zum Frühjahr dort liegen bleiben, wenn sie nicht vorher schon Liebhaber gefunden hatten.

Über und unter den beiden Obstregalen standen die großen Weckgläser mit den Erdbeeren, Stachelbeeren, Pflaumen, Glaskirschen und Herzkirschen, Reihe für Reihe hintereinander.

Weiter unten reihten sich die Weckgläser mit dem Gemüse ein: Schnippelbohnen mit und ohne Möhren, abwechselnd geschichtet, Brechbohnen, Erbsen mit und ohne Möhren, Rotkohl und die süß-sauer eingelegten Gurken, Kürbisse und Mixed-Pickles in den kleineren Weckgläsern. Das Gemüse musste reichen bis zur nächsten Ernte im Sommer.

Die Marmeladen und Geleegläser standen dicht an der Wand, damit sie möglichst gar kein Licht bekamen. Sie waren gefüllt mit Stachelbeer-, Himbeer-, Erdbeer-, Rhabarber und Kirschmarmelade oder –gelee. Nicht zu vergessen die vielen Marmeladengläser gefüllt mit Pflaumenmus, das Oma im Spätsommer stundenlang in der angrenzenden Kellerküche auf der Kochmaschine gerührt hatte. Pflaumenmus füllte sie auch in kleine Steinguttöpfe ab und deckte sie mit einer Zellefanfolie ab.

Die Marmeladengläser waren nur mit einer Einmachhaut und einem Gummiband verschlossen und es musste immer mal kontrolliert werden, ob sich kein Schimmel gebildet hatte. Auch alle anderen Gläser wurden ab und zu danach überprüft, ob die Ringe auch gehalten hatten. Wenn nicht, musste man die Erbsen oder anderes Gemüse schnell verbrauchen. Die Glasflaschen daneben waren gefüllt mit Erdbeer- Himbeer- und Rhabarbersaft. Wenn der kochende Saft in sie gefüllt worden war, wurden sie schnell mit einem angefeuchteten dicken roten Gummistöpsel verschlossen, der sich beim Erkalten des Saftes nach innen zog und der Saft so luftdicht abgeschlossen war.

Das Regal auf der rechten Seite im Raum war noch leer. Vielleicht standen dort noch die eine oder andere Dose Wurst vom letzten Schlachten im Februar. Dieses Regal füllte sich erst wieder nach dem ersten Wursten Ende November.

Aber soweit war es jetzt noch nicht. Allerdings bereitete Opa schon die Wurstepinne vor. Er schnitzte aus Buchenholz 10cm lange dünne Spieße, etwa halb so lang wie die Schaschlikspieße heute. Das war so eine Arbeit am Feierabend oben in der Küche. Die feinen Späne lagen auf dem Küchentisch und auf dem Fußboden und wurden nach der Arbeit zusammengefegt und in das Feuer geschmissen, das ab Oktober den ganzen Tag brannte.

Das Feuer wurde morgens um 6:00Uhr angemacht, wenn es draußen noch ganz dunkel war. Die Asche wurde von dem Rost geschüttelt in den langen Aschenkasten. Der Kasten wurde unten in den Ascheimer entleert, in die einzige Mülltonne, die es gab. Manchmal streute man auch die Asche draußen auf das Gartenland.

Während Opa die Ziege melkte, legte Oma das Feuer an mit Zeitungspapier und den Sprickern, die wir im Herbst im Wald gesucht hatten. Mit einem Streichholz entzündete Oma das Feuer und legte ein oder zwei Holzscheite auf, die im Herbst letzten Jahres gesägt oder gehackt worden waren. Das Holz musste ja trocken sein. War das Holz gut angebrannt, schaufelte Oma Kohlen aus dem Kohlenkasten unter dem Herd auf das Feuer. Allmählich wurde es lauwarm in der Küche. Meine Schwester und ich waren inzwischen aufgestanden und natürlich gingen wir zuerst in Omas Küche auf die Chaiselongue. Opa kam mit der Ziegenmilch nach oben, sie wurde noch einmal mit etwas Zucker erwärmt und dann bekam eine von uns die erste Flasche Milch. Manchmal stritten wir uns um die Flasche, denn es gab nur eine Jenaer Glasflasche für uns beide. Jede wollte die erste sein, die diese köstliche Milch trinken durfte. Es ging eigentlich jeden Tag abwechselnd. Aber man versuchte immer, die erste zu sein. Die andere schaute derweil mit überkreuzten Beinen Oma und Opa beim Frühstück zu. Es roch nach Kaffee und Plocken und Wurst. Sechs Scheiben Brot nahm Opa mit zu seiner Arbeit, je drei eingepackt in Butterbrotpapier, und eine emaillierten Kruke mit Kaffee und Milch. Diese umwickelte Opa noch dick mit Zeitungspapier, damit sie in seiner Tasche lange warm bleiben konnte. Auch der Henkelmann mit dem Eintopf von gestern kam in seine Ledertasche.

Man konnte sich auf der Chaiselongue den Gobelin anschauen, der an der Wand als Rückenlehne und Schutz aufgehängt war. Auf dem Gobelin war ein röhrender Hirsch auf einer Waldlichtung zu sehen. Da gab es immer etwas Neues zu entdecken. Oder man schaute auf das orangefarbene Herz, das an einer Goldkordel hing. Dort steckten fast das ganze Jahr über frische Blumen. Primeln im Frühjahr oder tränendem Herz oder Astern im späten Jahr.

Inzwischen war auch meine Tante aufgestanden, die nach meinen Großeltern frühstückte. Sie war nur 16 Jahre älter als ich. Ob sie es wohl gerne gesehen hat, dass wir ihr morgens oft beim Frühstück zusahen? Ich glaube es nicht. Aber ich fand sie so schön und sie aß von einem besonders feinen Teller und trank ihren Kaffee aus einer Sammeltasse mit Goldrand. Sie machte eine Lehre als Schneiderin in Heiligenkirchen und fuhr bald nach dem Frühstück mit ihrem Fahrrad dorthin.

Als ich noch nicht in der Schule war, durften wir nun zusammen in der Küche spielen. Da wurde die Wolldecke über zwei Stühle gehängt und eine Bude gebaut. Geschirr und Besteck und eine Schale durften wir mit in die Bude nehmen zum Spielen.

Während Opa nur kurz in die Landeszeitung geschaut hatte, hatten meine Mutter und meine Oma nun Zeit zum Lesen. Die Todesanzeigen wurden zuerst gelesen, danach die anderen Texte. Am Ende schlugen sie die Zeitung zu und sagten: „Steht doch heute wieder nichts drin in der Zeitung!“ Alle anderen im Haus lasen die Zeitung ausführlich, wenn sie von der Arbeit nach Hause gekommen waren. Ausgelesen wurde sie zum Feueranmachen gebraucht oder als Klopapier.

Oma spülte nach dem Zeitungslesen das Frühstücksgeschirr auf dem Küchentisch in einer weißen Emaille Schüssel. Das Wasser im Kessel kochte. Sie goss es mit etwas kaltem Wasser in die Schüssel und spülte. Spülmittel wie Imi nahm sie nie: „Das schmeckt man sonst am Geschirr!“ Ihre Hände wurden rot, so heiß war das Wasser.

Im Laufe des Vormittags wurde das Mittagessen vorbereitet. In der Woche gab es Eintopf mit etwas Speck, Oma kochte meistens für alle.

Nach dem Mittagessen legte Oma sich gerne eine Stunde zum Schlafen hin. Wenn sie wieder in die Küche kam, wurde zuerst Holz auf die Glut gelegt, damit das Feuer wieder brennen konnte. „Jetzt muss ich erst einmal Kaffee trinken.“

Sie nahm ihre kleine Porzellankaffeekanne und spülte sie mit heißem Wasser aus. Heißes Wasser kochte immer auf dem Herd.

Eine Handvoll Bohnen gab sie in ihre Kaffeemühle, schloss den Deckel und nahm die Mühle zwischen ihre Knie. Der Kaffee wurde gemahlen und kam nun als Pulver in die Kaffeekanne. Etwa mit zwei Tassen kochendem Wasser  wurde das Pulver nun überbrüht, der Deckel wurde auf die Kanne gelegt und altes Brot in eine Schale geschnitten. War der Kaffee nach einigen Minuten gut durchgezogen, goss sie ihn auf das trockene Brot mit etwas Ziegenmilch, die Plocken waren fertig.

Abends kamen alle wieder nach Hause. Opa brachte seine leere Kruke, den Henkelmann und das fein zusammengelegte Butterbrotpapier wieder mit nach Hause. Das wurde so lange wieder verwendet, bis es nicht mehr ansehnlich war. Holz brachte er manchmal in seiner leeren Aktentasche mit nach Hause und jeden Freitag, wenn er seinen Lohn bekam, lag auf dem Holz eine Tüte mit Pfefferminzbonbons in weiß und rosa. Das wussten meine Schwester und ich und wir konnten es kaum  erwarten, bis Opa am Freitag nach Hause kam.

Oma las gerne in ihrem Kasseler Sonntagsblatt, das es jeden Samstagneu gab. Es hatte ein kleineres Format als die LZ und war ein christliches Blatt. Mich interessierte eigentlich nur das Bild im Kopf des Blattes: Ein Bauer mit Hut, der sein Feld pflügt in einer ländlichen Umgebung. Das kannte ich so ja auch von zu Hause. Wie war es bei Ihnen?

Ich wünsche Ihnen, dass Sie gesund bleiben und grüße Sie herzlich

Karin Niederkrome

Bleiben Sie behütet!

 

Gottesdienst und Datenschutz

In der Berlebecker Kirche liegen an jedem Platz Anmeldekarten und Stifte aus.  Die Karten sind nummeriert. Alle Gottesdienstbesucher werden gebeten ihre Karte auszufüllen und am Platz liegen zu lassen. Die Karten werden später eingesammelt und vier Wochen verwahrt. Die nummerierten Karten ermöglichen eine eventuell notwendige Rückverfolgung. Nach vier Wochen werden sie vernichtet.

 

Informationspflichten nach § 17 DSG.EKD bei einer Erhebung von Daten bei der betroffenen Person im Zuge der Corona-Pandemie.

Wir erheben diese Daten aufgrund von § 6 Nr. 7 DSG.EKD (Erforderlich, um lebenswichtige Interessen der betroffenen Person oder einer anderen natürlichen Person zu schützen) und § 6 Nr. 8 in Verbindung mit § 6 Nr. 4 DSG-EKD (Zur Wahrnehmung der berechtigten Interessen eines Dritten erforderlich, sofern nicht die schutzwürdigen Interessen der betroffenen Person überwiegen, insbesondere dann, wenn diese minderjährig ist. Die Verarbeitung ist für die Wahrnehmung einer sonstigen Aufgabe erforderlich, die im kirchlichen Interesse liegt).

Gemäß § 13 Abs. 2 Nr. 9 DSG-EKD ist die Verarbeitung aus Gründen des öffentlichen Interesses im Bereich der öffentlichen Gesundheit, wie zur Gewährleistung hoher Qualitäts- und Sicherheitsstandards bei der Gesundheitsversorgung und bei Arzneimitteln und Medizinprodukten, auf der Grundlage des kirchlichen oder staatlichen Rechts, das angemessene und spezifische Maßnahmen zur Wahrung der Rechte und Freiheiten der betroffenen Person, insbesondere des Berufsgeheimnisses vorsieht, erforderlich.

 

Verarbeitung Ihrer Daten: Diesen Bogen mit Ihren Daten werfen Sie bitte in den geschlossenen Behälter im Eingangsbereich. Nach dem Gottesdienst werden alle Bögen der Gottesdienstteilnehmer/innen in einem geschlossenen Umschlag aufgehoben. Die Umschläge werden nur im Falle einer aufgetretenen Infektion auf Anordnung eines Gesundheitsamtes weitergeleitet und von einer berechtigten Gesundheitseinrichtung geöffnet. Ansonsten werden die verschlossenen Umschläge nach vier Wochen vernichtet.

Eine weitere Verarbeitung Ihrer Daten durch die Kirchengemeinde findet nicht statt.

Informationen zu Datenschutz erhalten Sie von:

 

der örtlichen Beauftragten für den Datenschutz:

Swetlana Ottolin

Landeskirchenamt der Lippischen Landeskirche

Leopoldstr. 27 - 32675 Detmold

05231 – 976 866 - swetlana.ottolin(@)lippische-landeskirche.de