Ich glaube; hilf meinem Unglauben!

„Wer glaubt, kann alles.“ Dem Mann verschlägt es die Sprache. Er starrt Jesus an. Hat der das wirklich gesagt?
Wie kann er so kalt sein? So schnoddrig mit ihm reden und ihn von oben herab behandeln? Der Mann hatte Mitleid erwartet.
Ein freundliches Wort. Etwas Zuwendung. Was er nicht brauchen kann, ist, belehrt zu werden

Er hat doch gerade erzählt, was ihn zur Verzweiflung treibt. Sein Sohn ist krank.
Schon von klein auf. Immer wieder wird der Junge von heftigen Krampfanfällen durchgeschüttelt.
Dabei stürzt er zu Boden. Schon oft ist er so in Lebensgefahr geraten. Er muss ja nur ins Wasser fallen, wenn es ihn umreißt, oder sich in der Nähe von Feuer aufhalten.
Es ist, als ob ein böser Geist Besitz von dem Kind ergriffen hat. Da, schon wieder! Ein erneuter Anfall.
Der Junge krampft, fällt, wälzt sich hin und her. Jetzt wird Jesus doch eingreifen. Etwas tun. Wenn er kann? Kann er?

„Was heißt hier: Wenn du kannst? Wer glaubt, kann alles“, sagt Jesus. Für den Vater hört sich das an, als ob er schuld am Elend seines Kindes sei.
Glaubt er nicht genug, um seinem Sohn zu helfen? Könnte er es, wenn sein Vertrauen größer  wäre? Aber das ist doch gerade geschwächt.
Durch all die Jahre, in denen er um sein Kind gebangt hat. Wie viele Gebete wurden nicht erhört. Wie oft wurde er enttäuscht.
Jetzt hat er wieder einen Funken Hoffnung. Den hat der Mann aus Nazareth entzündet, von dem so viel erzählt wird. Und der weist ihn zurück.Ja, weist ihn zurecht.

Da schreit der Mann auf. All sein Schmerz  bricht aus ihm heraus. Die Ohnmacht angesichts der Krankheit. Der Zorn auf Jesus. Er glaubt doch. Fasst doch gerade wieder Vertrauen.
Und wagt, um Hilfe zu bitten. Das sieht Jesus doch. Aber er braucht auch Hilfe. Er selber, nicht nur sein Kind. Seine Seele, die wund geworden ist vor Kummer, sehnt sich nach Heilung.
Das geschwächte Vertrauen will genährt und umsorgt werden. „Ich glaube; hilf meinem Unglauben.“
Die Widersprüche seines Lebens kommen zu Wort in einem Satz. Finden Platz in einem Gebet.

Ich bin dankbar für die Worte des Vaters. Für seinen Ausbruch. Seinen Hilfeschrei. Und damit für die Jahreslosung 2020.
Ich schaue auf mein Leben. Auf den Weg der Kirche. Auf das Weltgeschehen. Und die Worte stellen sich wie von selber ein: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben.“
Markus erzählt: Das Gebet des Vaters wurde erhört.