Trost

Liebe Leserin, lieber Leser,

eine besonders stille Karnevalszeit geht zu Ende und geht über in eine neue stille Zeit, geht über in die Passionszeit. Passionszeit, das ist die Leidenszeit, die nun 7 Wochen anhält, in Erwartung auf Ostern.

Vor einem Jahr wurde noch an manchen Orten Karneval gefeiert mit verheerenden Folgen, wie wir alle wissen. Aber auch schon vor einem Jahr wurden Karnevalsfeiern abgesagt oder anders gefeiert, weil der erste Lockdown über uns verhängt wurde. Ein Jahr, ein ganzes Jahr dauert nun schon diese stille Zeit, die Pandemie, an. Der letzte Sommer ließ uns ein wenig aufatmen, die Zahl der Infizierten ging zurück, und wir wähnten uns schon fast in Sicherheit vor der Pandemie. Einige trieben es auf die Spitze, sie leugneten die Pandemie und versammelten sich in großen Gruppen ohne Schutzmaßnahmen. Die Virologen, Wissenschaftler und Mediziner warnten vor neuen Ausbrüchen, vor der zweiten Welle. Doch viele schlugen die Warnungen in den Wind und trafen sich weiter oder feierten, auch mit sehr vielen Menschen in bestimmten Gottesdiensten, Hochzeitsfeiern oder Beisetzungen. Die zweite Welle kam und hält fast ungebrochen bis heute an. Zum Glück gehen die Zahlen der Infizierten stetig weiter zurück. Nun müssen wir trotzdem weiter vorsichtig sein, weil die Virus-Mutationen noch ansteckender sein sollen, als das Covid-19 Virus selbst. Rufe nach Lockerungen sind immer lauter zu hören, es war immer die Rede von einer Inzidenzzahl von 50, dann würde man lockern, d.h. fünfzig Neuinfizierte pro 100 000 Menschen in einer Woche. In den meisten Kreisen liegen die Zahlen unter 50. Jetzt ist von der Zahl 35 (Ansteckungen pro 100 000 in einer Woche) die Rede. Auch diese Zahl ist schon von einigen Kreisen unterschritten. In Bielefeld lag gestern der Inzidenzwert bei 28,1, wobei mit bedacht werden muss, dass am Wochenende nicht alle Zahlen gemeldet werden. In Lippe lag der Wert am Wochenende bei 59.

Doch wieder einmal sind sich Politiker, Virologen und Wissenschaftler nicht einig: Lockerungen zulassen oder weiter alles im Lockdown belassen? Auch ich bin hin und her gerissen, meine aber eher, dass es im Moment noch sicherer sei, eher den Lockdown beizubehalten, weil wir nicht wissen, wie sich die Virus-Mutationen auf uns Menschen auswirken, wenn wir wieder vieles im öffentlichen Leben zulassen. Vielleicht bin ich auch zu vorsichtig?! Was ist Ihre Meinung dazu?

Was wir jetzt auf jeden Fall alle brauchen ist neben Geduld, Hoffnung und Zuversicht auch Trost, viel Trost. Wir alle sind traurig wegen der Pandemie und über das, was viele Familien in dieser Zeit alles ertragen mussten. Viele haben einen oder mehrere Angehörige verloren, sie brauchen ganz viel Trost und Zuwendung. Wir sind auch traurig, dass wir allein in unseren Wohnungen sind, dass wir allein in unseren Zimmern sein müssen in den Senioreneinrichtungen oder alle Regeln einhalten müssen, sobald wir das Zimmer verlassen. Wir müssen ständig auf der Hut sein, nicht angesteckt zu werden. Wir müssen ständig die Masken tragen, wir können nur auf Distanz mit jemandem sprechen, wir sollen niemandem die Hand geben oder umarmen. Wir brauchen das aber alle so dringend, wir sind soziale Wesen, wir brauchen Zuwendung und Trost!

Wie gibt oder wie bekommt man Trost? Sie wissen es, wie es geht. Sie haben in Ihrem Leben schon viel getröstet und haben sicher auch so manches Mal Trost erfahren.

Aber kann ich mir selbst Trost geben, der mein Leid leichter macht? Ich meine jetzt nicht den Trost durch ständiges Einkaufen und Konsum; das ist sowieso schwierig im Moment. Ich meine jetzt auch nicht den Trost, den sich manche durch Alkohol oder Drogen versuchen zu geben. Das tröstet, wenn überhaupt, nur für den Moment, in dem ich konsumiere. Aber was kann mich wirklich trösten in dieser abgeschlossenen Zeit?

Wenn die Menschen noch Kinder sind, nimmt man sie auf den Schoß, beugt den Kopf über sie, streichelt sie und findet Wörter, die dem Kind gut tun, die das Kind beruhigen. Zum Glück können oder könnten das heute alle Kinder so erfahren, die eine äußere Verletzung haben oder – was immer mehr zunimmt-, die unter der Abgeschlossenheit der Pandemie leiden. Sie können es oft nicht in Worte fassen, aber sie spüren, dass etwas überhaupt nicht mehr stimmt. Sie können oder könnten getröstet werden. Manchmal gelingt es Eltern in dieser Zeit nicht. Zu lange dauert die Pandemie schon an. Sie selbst stehen unter einem enormen Druck, der das Trösten für sie unbedingt auch nötig machen

würde. Die Jugendämter versuchen in den Familien zu helfen. Aber sie erreichen im Moment nur die Familien, die sich selber öffnen.

Alles Trösten können wir Kindern schenken: Berührungen gehören dazu, liebevolle Wörter, das tröstende Singen und Erzählen. Die Kinder erfahren Geborgenheit und werden getröstet, so sollte es auf jeden Fall sein.

Aber was ist mit uns Erwachsenen? Auch wir brauchen Trost durch Umarmungen, durch einen Händedruck. In einer Partnerschaft ist das möglich. Aber was ist mit den vielen Alleinstehenden? Alles nicht möglich, schon seit einem Jahr nicht mehr. Wie halten wir das aus? Wie halten Sie das aus?

Trost spenden heißt ja, dass wir jemanden in seinem Leid aufrichten, dass unsere Zuwendung sein Leid kleiner gemacht hat, es ihm besser oder etwas besser geht, wenn wir mit ihm gesprochen haben. Trost senden heißt auch, jemandem wieder eine neue oder andere Perspektive zu geben, ihm zu sagen, du bist nicht allein, ich höre dir zu, ich will wissen, wie es dir geht, ich interessiere mich für dich.

Damit schließe ich jetzt allen billigen Trost aus, ich meine Sätze wie: „Ach das wird schon wieder!“ Das hilft dem anderen nicht weiter, er braucht unser Zuhören, und das kann auch mal lange dauern, unser Abwarten, auch das kann mal sehr lange dauern. Niemand braucht vorschnelle Lösungen oder Vertrösten auf etwas Zukünftiges. Das hilft dem Trostsuchenden gar nicht.

Wie macht man das aber in dieser Zeit, in der Begegnungen ja kaum möglich sind, keine Umarmungen, kein Händedruck.

Wie bekomme ich Trost?

Sehen Sie es jetzt nicht als einfache Antwort an, wenn ich Ihnen sage. „Mir hilft mein christlicher Glaube!“ Mein ganzes Leben lang habe ich erfahren, was Gott Jesaja dem Volk Israel in der Babylonischen Gefangenschaft, in der Not sagt: „Ich bin der Herr, dein Gott, der deine rechte Hand fasst und zu dir sagt: „Ich helfe dir!“. Das steht im Jesaja 41,13.

Ich stelle mir vor und weiß, dass ich nie ganz allein bin auf dieser Erde. Da ist jemand, der meine rechte Hand fasst und mir die Gewissheit gibt, dass er mir hilft. Für mich ist das wegweisend und sehr tröstlich. Vielleicht können Sie das auch so empfinden?

Aber, was ist mit Menschen, die diese Zuversicht nicht haben, wie können sie getröstet werden? Wie bekommen wir neue Hoffnung und Trost in dieser stillen, abgeschlossenen Zeit?

Mir hilft es in diesem vergangenen Jahr besonders, den Blick zu richten auf die Kleinigkeiten in meinem Leben. Ich habe Freude an so Alltäglichkeiten, wie dem blauen Himmel und den weißen Wolken oder an den Regentropfen, die sich an meinem Balkongitter versammeln. Ich mache mir bewusst, wie schön warm es in meinem Zimmer ist .Ich schaue bewusst auf das Teelicht, das mir eine Freundin schenkte. Durch ein Bild lasse ich mich trösten, das auf meinem Esszimmertisch liegt. Ich nehme es immer mal wieder in die Hand freue mich über seine bunten Farben.

Ich habe mir angewöhnt, mich über ganz viele Kleinigkeiten zu freuen, über einen Duft, über einen Blick, über ein Wort. Sie sind eigentlich ganz unbedeutend, diese Kleinigkeiten, aber ich habe mir angewöhnt, genauer zu schauen und entdecke so viele Besonderheiten, die mir wieder Mut machen und mir Trost geben und mich lächeln lassen.

Machen Sie sich doch auch einmal auf die Suche nach den Kleinigkeiten in ihrem Zimmer, in ihrer Wohnung, in Ihrer Umgebung, die plötzlich eine besondere Bedeutung bekommen, die sie vielleicht auch lächeln lassen.

Und dann denke ich, wenn ich Trost brauche, wie oft ich schon Gutes in meinem Leben erfahren habe und zähle die Dinge auf, die mir von anderen geschenkt worden sind. Ich lasse die vielen negativen Ereignisse und Erlebnisse in meinem Leben einen Moment beiseite und hole mir die guten hervor, die mich einmal sehr glücklich gemacht haben. Vielleicht dauert es ein wenig, einen Schatz aus der Erinnerung zu heben. Vielleicht ist das überhaupt nicht Ihr Weg, sich trösten zu lassen. Mir gibt er Trost. Ich wünsche Ihnen, dass Sie getröstet werden oder dass Sie getröstet sind für die nächsten stillen Wochen

mit herzlichen Grüßen

von Karin Niederkrome

Bleiben Sie behütet.

Besonders berührt hat mich neulich eine Geschichte, die ich im Internet gefunden habe. Es ist die Geschichte „Das kleine Glück“, die Christine Sinnwell-Backes geschrieben hat. Christine Sinnwell-Backes hat viele Kinderbücher geschrieben und ist Bloggerin für tolle Backrezepte. Schauen Sie mal nach im Internet.

 

Christine Sinnwell-Backes

Das kleine Glück

Traurig saß das kleine Glück am Straßenrand und schaute den Menschen zu. Achtlos hasteten sie an ihm vorbei. Kaum jemand schien es zu bemerken. Alle waren sie zu beschäftigt, auf der Jagd nach Anerkennung, Geld und Wohlstand.

Und wenn einer nach dem Glück suchte, dann hielt er in der Regel Ausschau nach dem Großen, auch wenn das schwer zu finden war.

Oft versuchte das kleine Glück auf sich aufmerksam zu machen. Es ließ kleine Blumen durch die dicke Asphaltdecke wachsen und hoffte, dass ihr Leuchten jemanden erfreuen würde. Doch meistens trat ein Fuß achtlos darauf.

Manchmal übte es mit den Vögeln ein besonders schönes Lied ein. Doch ihr Gesang ging im wütenden Hupen der Autos unter. Am ehesten fanden Kinder das kleine Glück. Sie entdeckten es in einer Handvoll sommersüßer Kirschen oder fanden es bei einer eiskalten, wilden Schneeballschlacht. Doch irgendwann, wenn sie ihren Kinderschuhen entwuchsen, verloren auch sie fast immer die Gabe das kleine Glück im Alltag zu entdecken.

Eines Tages legte sich ein Schatten über die Welt und schien alles zu verdunkeln. Die Menschen wurden ängstlich und sorgenschwer. Sie ahnten, dass ihnen schwierige Zeiten bevorstanden.

Auch das kleine Glück wurde ängstlich. Es sagte sich: Jetzt, in diesen dunklen Zeiten wird mich gar niemand mehr finden. Und eine kleine Träne tropfte auf die Erde. Dort, wo sie hinfiel, wuchs eine besonders schöne Blume. Sie schimmerte bunt und leuchtete hoffnungsvoll.

Da bückte sich ein Mann und betrachtete die kleine Blume eine Weile. Mit Bedacht pflückte er sie und schenkte sie seiner Begleiterin. Ein strahlendes Lächeln breitete sich auf beiden Gesichtern aus.

Und das kleine Glück begriff: Gerade in den dunklen Zeiten, wurde es besonders gebraucht!

Eifrig begann es damit, kleine Momente der Freude zu verteilen. Und das Wunder geschah!

Die Menschen sahen das kleine Glück in einem Sonnenstrahl, der durch die Dunkelheit fiel. Sie fanden es in einem Stück Schokolade, das sie langsam in ihrem Mund zergehen ließen. Sie bemerkten es in dem Angebot, einander zu helfen oder in einem Brief, der von lieber Hand geschrieben wurde.

Dem kleinen Glück wurde es ganz warm ums Herz, wenn es das Lächeln auf den Gesichtern der Menschen sah. In solchen Momenten ahnten die Menschen, dass der Schatten irgendwann auch wieder verschwinden, und die Welt wieder heller würde.

Nur manchmal, wenn es an die Zukunft dachte, fragte sich das kleine Glück: Ob die Menschen mich auch dann noch sehen werden, wenn die Welt wieder heller ist?

Oder werden sie achtlos an mir vorbei durchs Leben hasten?

Die Antwort auf diese Frage, gib du sie dem kleinen Glück.