Ich setze auf die Liebe.

Eigentlich sollte am Sonntag, d. 3. Mai 2020, 18.00 Uhr in unserer Kirche ein Abendgottesdienst mit Heiner Eckels stattfinden. Es sollten Psalmen, Gebete und eine Predigt von Hanns-Dieter Hüsch zu hören sein. Dieser Gottesdienst wird zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt. Heiner Eckels weist darauf hin, dass Hanns- Dieter Hüsch am 6. Mai, 95 Jahre alt geworden wäre. Da passt es gut, an Hanns-Dieter Hüschs Dichtung zu Psalm 126 zu erinnern. 

Ich bin vergnügt

erlöst

befreit

Gott nahm in seine Hände

Meine Zeit

Mein Fühlen Denken

Hören Sagen

Mein Triumphieren

Und Verzagen

Das Elend

Und die Zärtlichkeit.

Dazu schreibt Günter Ruddat:

So beginnt der Psalm, den Hanns Dieter Hüsch gedichtet hat, der Kabarettist und Liedermacher, der Poet und Prediger vom Niederrhein, 1925 in Moers als Sohn evangelischer Eltern geboren und geprägt vom Milieu der „kleinen Leute“.

Lebensworte aus Psalm 126 wird Hanns Dieter Hüsch hier vor Augen gehabt haben:

„Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird,

so werden wir sein wie die Träumenden.

Dann wird unser Mund voll Lachens

und unsere Zunge voll Rühmens sein….

Der Herr hat Großes an uns getan;

Des sind wir fröhlich.“                                           

(Luther 2017: Ps. 126,1-2a.3)

Hüsch fasst seine Sehnsucht in neue Sprache, was ihn „vergnügt, erlöst, befreit“, bündelt zugleich seine Lebenserfahrung, seine Frömmigkeit. Und er setzt immer wieder bei sich selbst ein, übt sich ein: „Ich zu sagen“, das lädt zum Nachsprechen ein. Wer ich sagt, nimmt sich selbst wahr, legt sich fest, bezieht Stellung, gleichzeitig öffnet er sich und macht sich verletzlich, ergreift Chancen, erlebt aber auch Zurückweisungen.

Hanns Dieter Hüsch konnte Menschen begeistern, mit seinen oft so skurrilen, abgründig tiefen Texten über die kleinen Dinge überraschend Farbe in den Alltag bringen. Da ist seine Nähe zu den Menschen zu spüren. Er kennt das Leben in all seiner Zwiespältigkeit, kann die Welt plastisch vor Augen führen und den eigenen Horizont weiten. Da ist immer wieder neu „das Schwere leicht gesagt“ und, wie er es ausdrückt: „Du kommst auch drin vor“. Worte der Bibel verbinden sich mit dem eigenen Leben.

Hanns Dieter Hüsch, dieser „Poet unter den Kabarettisten“, wie ihn Johannes Rau beschrieben hat, bringt Menschen zum Nachdenken, entlockt ihnen ein Lachen – vergnügt, erlöst, befreit. Da spiegelt sich zwischen den Extremen der Lebenserfahrungen ein Lebensgefühl, das sich im Glauben gründet:

Gott kommt mir nah, unnachahmlich wie „der liebe Gott in Dinslaken“, mit dem er sich ab und an dort trifft, rein privat, versteht sich - mir vertraut und verbunden, ihm bin ich unter allen Umständen wichtig, das lässt unbeschwert, vergnügt leben, „fröhlich“ durch das Leben ziehen, da ist genug Raum, das rechte Maß für mein Leben zu finden und auch meine Grenzen mit Humor anzunehmen. Gott sei Dank! Gott wird Mensch unter Menschen.

Da geht einer wie Jesus, sein Christus, mit – den Weg durch das Leben, kennt alle Abgründe und Tiefen, löst mich aus meinem Kreisen um mich selbst. Da kann ich andere lassen, loslassen, ihnen erlöst begegnen, Versöhnung ausstrahlen – und unermüdlich angehen gegen Hass, Gewalt und Krieg.

So kommt ein guter Geist in meinen Sinn, befreit mich von Angst und Ansprüchen, die mich unter Druck setzen. Dieser Geist erinnert mich: Ich bin angenommen, so wie ich bin, Gott sieht mich mit den Augen der Liebe und lehrt mich die Welt aufrecht mit seinen Augen anzuschauen, zu staunen und zu gestalten.

 

 

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