Der Regenbogen

Liebe Leserin, lieber Leser

der Mai ist in diesem Jahr noch sehr kühl und nass, wie auch schon der April in diesem Jahr einer der kältesten Monate seit der Wetteraufzeichnung war. Vielleicht trifft ja die alte Regel zu: „Ist der Mai kühl und nass, füllt’s dem Bauern Scheun‘ und Fass!“ Wünschen wir es allen Landwirten und uns allen.

In den letzten Jahren hatten wir im April und Mai schon hohe Temperaturen und ganz wenige Niederschläge. Leider konnten wir deshalb in den letzten Jahren auch ein besonderes Wetterphänomen nur sehr selten beobachten. Ich meine den Regenbogen.

In diesem Jahr habe ich schon sehr oft wunderschöne strahlende Regenbögen gesehen. Am schönsten sind sie zu sehen, wenn die Sonne in den Nachmittags- oder frühen Abendstunden noch einmal nach einem kräftigen Regenschauer hinter den Wolken hervorkommt und auf den abziehenden Regen scheint. Schnell laufe ich dann in die Räume, die nach Osten hin liegen und suche den Regenbogen. Und dann sehe ich ihn: Der Regenbogen leuchtet über dem blühenden Rapsfeld und über dem kleinen Wald, der gerade sein helles Buchengrün trägt. Der Regenbogen leuchtet in allen Farben: Rot, orange, gelb, grün, blau und violett, immer in den gleichen Farben und wenn die Sonne schon tief steht, ganz besonders strahlend. Wunderschön. Manchmal steht über dem Hauptbogen dann noch ein etwas schwächerer höherer Bogen. Ich kann mich nicht satt sehen an dem Regenbogen! Und wie entsteht so ein Regenbogen? Nun, als erstes muss in den Nachmittagsstunden die Sonne scheinen, je später es ist, desto schöner leuchtet der Regenbogen. Und ein Regenschauer muss abziehen nach Osten. Dieser abziehende Regen bildet mit seinen unzähligen Tropfen eine Wasserwand, auf die die Sonne scheint. In jeden einzelnen Tropfen dringt nun das weißliche Sonnenlicht ein, unvorstellbar eigentlich. Es schießt aber nicht durch die Wassertropfen hindurch, sondern wird zurückgestrahlt in unsere Augen. Dabei wird das Licht aufgebrochen in rot, orange, gelb, grün, blau und violett, in die Spektralfarben. Die werden aber alle in anderen Winkeln im Wassertropfen gebrochen. Deswegen sehen wir immer die Farbe Rot oben am Regenbogen, dann Orange, Gelb, Grün, Blau und Violett. Immer! Das weiß jedes Kind.  Die Kinder lernen schon in der Kita oder noch früher von ihren Eltern wie so ein Regenbogen aussieht. Im Moment werden überall Regenbögen gemalt, auf Papier, auf die Fensterscheiben, auf die Straße, überall. Sie sind in der Corona-Zeit ein Zeichen dafür, dass niemand von uns allein ist. Der Regenbogen verbindet uns alle. Er zaubert überall ein Lächeln auf die Gesichter. Er ist zu einem Zeichen der Verbundenheit geworden in dieser isolierten Zeit. Überall in den Fenstern sieht man jetzt die Regenbögen „Schau her, ich bin wie du zu Hause, schau her, ich schenke dir die Farben des Regenbogens, ich zeige dir, wie bunt das Leben ist, ich schenke dir ein Lächeln!“ Auch bei geschlechtlich anders orientierten gilt der Regenbogen als Symbol für Zusammenhalt und Stärke und Hoffnung und Zuversicht. Warum gibt es denn kein weiß oder schwarz im Regenbogen? Ganz einfach: Das weiße Licht kommt ja von der Sonne und wird im Regentropfen aufgebrochen in alle Farben, kann also niemals weiß zurückstrahlen. Schwarz  kann es im Regenbogen nicht geben, denn wo es schwarz ist, gibt es kein Licht. Der Regenbogen hat aber unglaublich viel buntes Licht. Man sieht ihn auch bei hohen Wasserfontänen oder wenn man im Garten mit dem Wasserschlauch sprüht und hinter einem die Sonne steht. Dann bricht auch hier das weiße Sonnenlicht in jedem einzelnen Tropfen die Farben auf und strahlt sie in unsere Augen zurück.  Zu allen Zeiten spielte der Regenbogen bei allen Völkern auf der ganzen Erde eine wichtige Rolle. Gott hat einen Bund mit den Menschen geschlossen wie es im 1. Buch Mose, 9, 12-14 heißt:

„Und Gott sprach: Das ist das Zeichen des Bundes, den ich geschlossen habe zwischen mir und euch und allem lebendigen Getier bei euch auf ewig: Meinen Bogen habe ich in die Wolken gesetzt; der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde. Und wenn es kommt, dass ich Wetterwolken über die Erde führe, so soll man meinen Bogen sehen zwischen den Wolken.“ Es gibt noch einige Stellen mehr in der Hebräischen Bibel und in dem Neuen Testament, die auf den Regenbogen hinweisen, als Zeichen des Bundes, den Gott mit den Menschen geschlossen hat. Aber überall auf der Erde, in allen Ländern und Kulturen, gilt der Regenbogen als ein Zeichen für die Verbindung des Göttlichen mit dem Menschlichen. Viele Mythen ranken sich um den Regenbogen. Auch Völker, die ganz isoliert nur für sich gelebt haben, sprechen von dem Regenbogen in ihrer Geschichte. In Australien leben die Ureinwohner, die Aborigines, mit dem Mythos der Regenbogenschlange, die die Erde, die Menschen, die Tiere und Pflanzen gemacht hat. Sie lebt im Wasser und ist im ständigen Kampf mit der Sonne. Manchmal erhebt sie sich aus dem Wasser und strahlt in allen Farben der Erde, dann saugt sie den Regen auf und taucht wieder ab in das Wasser. Gute Menschen beschützt sie, böse Menschen reißt sie auch schon mal in das Wasser. Mitten in Australien gibt es eine Ansammlung von vielen Hunderten von kleinen  Hügeln. Die Aborigines sagen, dass seien die Eier der Regenbogenschlange. In Griechenland gibt es den Mythos, dass der Regenbogen der Weg der Göttin Iris zu den Menschen ist. Iris ist eigentlich die Dienerin der Göttin Hera. Von dort bringt sie die Botschaften zu den Menschen. Sie wird mit goldenen Flügeln dargestellt und eilt vom Olymp bis an das Ende der Welt, dorthin, wo die Regenbogen entstehen. Zeigte sich ein Regenbogen am Himmel, so sagten die Menschen, dass die Götter ihnen eine Botschaft bringen wollen. Iris war diese Botin auf dem Regenbogen. Noch heute sprechen wir von den Farben der Iris, wenn wir einen Regenbogen sehen. Und die Iris, der Muskel in unseren Augen, der zwischen Hornhaut und Linse liegt, umschließt die Pupille wie ein Regenbogen. Sie kann sich vergrößern oder verkleinern und lässt das Licht in unser Auge. Sie wird auch Regenb0ogenhaut genannt. Und die Blume gleichen Namens gibt es auch in allen Farben, die wir kennen, eine meiner Lieblingsblumen, die ich anderer Stelle schon einmal beschrieben habe.  Aus der irischen Mythologie kennen wir die Geschichte, dass am Ende des Regenbogens ein Goldschatz verborgen liegt. Es ist der Schatz der Leprechaune, das sind kleine böse Kobolde, die Gold zusammen raffen und in einem Topf am Ende des Regenbogens aufbewahren. Der Topf ist allerdings bis jetzt noch nicht gefunden worden!

In der Nordeuropäischen Mythologe ist der Regenbogen die Brücke von den Göttern zu den Menschen. Die rote Farbe am oberen Ende des Regenbogens stellt das Feuer dar. Es verhindert, dass je ein Mensch über die Brücke, dem Regenbogen,  zu den Göttern gelangen kann. An der höchsten Stelle des Regenbogens, in der Himinbjörg (Himmelsburg) sitzt der Wächter des Himmels. Mit dem Untergang der Welt wird auch der Regenbogen endgültig zerbrochen vernichtet, so heißt es. Die babylonische Schöpfungsgeschichte stellt einen grausamen Kampf dar, in dem der Schöpfergott Marduk die Urflut, die Göttin Tiamat tötete. Er tötete sie mit einem Bogen, der nun als Bogenstern des Marduks am Himmel leuchtet. In der babylonischen Vorstellung war der Regenbogen also eine tödliche Waffe der göttlichen Macht Marduks. Damit konnte er jederzeit die Menschen strafen und Krieg führen gegen die Völker, die sich ihm widersetzten. Als das Volk Israel in Babylon gefangen war, schrieben die Priester auf, dass ihr Gott viel stärker sei als Marduk. Gott hat die ganze Welt geschaffen, auch die Sonne und den Mond, die die Babylonier als Götter verehrten, und Gott hat alles wohl geordnet. Und er ist ein gnädiger Gott, der einen Bund mit den Menschen geschlossen hat. Als Zeichen des Bundes und nicht als Waffe hat er den Regenbogen gesetzt, wie es im 1. Buch Mose 9,14 und 15 Heißt: „Und wenn es kommt, dass ich Wetterwolken über die Erde führe, so soll man meinen Bogen sehen in den Wolken. Alsdann will ich gedenken an meinen Bund zwischen mir und euch und allem lebendigen Getier unter allem Fleisch, das hinfort keine Sintflut mehr komme, die alles Fleisch verderbe.“ Gott gibt uns Stärke, auch in dieser Zeit der Pandemie.

Im Neuen Testament gibt es eine Stelle, an der von einem Regenbogen geschrieben ist, in der Offenbarung des Johannes, Kapitel 10, Vers 1: „Und ich sah: Ein anderer gewaltiger Engel kam aus dem Himmel herab; er war von einer Wolke umhüllt, und der Regenbogen stand über seinem Haupt.“ Schon im Kapitel 4, 3 ist von einem Regenbogen geschrieben: „… Und über dem Thron wölbte sich ein Regenbogen, der wie ein Smaragd aussah.“ Es sind hier nicht alle Farben des Regenbogens gemeint, sondern nur das Smaragdgrün. Man vermutet, dass daraus der Schein um die Köpfe der Heiligen entstanden ist, so wie die Ikonenmaler den Heiligenschein gemalt haben, meistens smaragdgrün.

So haben wir ein weiteres  Gebiet angesprochen, indem der Regenbogen immer wieder vorkommt: In der Malerei. ich nenne hier nur einen Künstler, der für Regenbogenbilder bekannt geworden ist, Kaspar David Friedrich. Schauen Sie doch einmal im Internet nach seinen Regenbogenbildern.

Auch in der Musik spielte und spielt der Regenbogen oft eine wichtige Rolle von der klassischen Musik bis hin zu den Rolling Stones. Ein berühmtes Lied möchte ich Ihnen aufschreiben und zwar in seiner deutschen Übersetzung. Judy Garland hat dieses Lied 1939 in dem Film „Zauberer von Oz“ gesungen und hat Berühmtheit in der ganzen Welt erlangt. Unzählige Interpreten haben das Lied gesungen. Somewhere Over The Rainbow oder What a wonderful world Irgendwo da oben, über dem Regenbogen, ganz weit oben …

All die Träume, die du mal geträumt hast, damals in dem Schlaflied. Die Singvögel (Hüttensänger) fliegen und die Träume, die du mal geträumt hast, werden wirklich wahr! Eines Tages werde ich einen Wunsch an einen Stern schicken, und dort aufwachen, wo ich die Wolken ganz weit hinter mir lassen kann, wo Sorgen und Ärger einfach so schmelzen, wie Zitronenbonbons. Ganz hoch oben über den Schornsteinspitzen, da wirst du mich finden. Irgendwo da oben, über dem Regenbogen. Ich sehe saftig grüne Bäume, und tiefrote Rosen, ich schau ihnen beim Blühen zu, für dich und für mich, und ich denke so bei mir, wie wundervoll und schön die Welt doch ist. Ich sehe den blauen Himmel und weiße Wolken, und den strahlend schönen Tag. Aber ich mag auch die Dunkelheit und ich denke so bei mir, wie wundervoll und schön die Welt doch ist. Die Farben des Regenbogens strahlen so schön am Himmel und spiegeln sich auf den Gesichtern der Leute, die vorbeikommen. ich sehe Freunde, die sich die Hand geben, die fragen: „Wie geht‘s dir?“ Ja und sie sagen wirklich auch: „Ich liebe dich.“ Ich höre Babys weinen, schau zu, wie sie heranwachsen. Sie werden noch so viel lernen, viel mehr, als wir je wissen werden. Und ich denke so bei mir, wie wundervoll und schön die Welt doch ist. Eines Tages werde ich einen Wunsch an einen Stern schicken, und dort aufwachen, wo ich die Wolken ganz weit hinter mir lassen kann, wo Sorgen und Ärger einfach so schmelzen wie Zitronenbonbons. Ganz oben über den Schornsteinspitzen, da wirst du mich finden. Irgendwo da oben über dem Regenbogen …

Dieses Lied ist geschrieben worden, als die Juden überall verfolgt und getötet worden sind. Es handelt von der Sehnsucht nach einer besseren Welt, von der Hoffnung, dass die schlimmen Zeiten einmal zu Ende gehen mögen. Dieses „Hoffnungs“-Lied ist gerade jetzt in der Pandemie wieder so aktuell geworden. Hoffen wir, dass diese schlimme Corona-Zeit bald vorbei geht, dass bald alle Menschen geimpft werden können, damit die Pandemie zu Ende geht, damit nicht immer neue und schlimmere Veränderungen des Virus um sich greifen, dass wir alle auf der Welt begreifen, dass es hier nicht mehr um einzelne Nationen geht, sondern dass wir alle zusammenhalten müssen, dass alle Menschen den Impfstoff bekommen, wenn wir in der Welt auch wieder so leben wollen und können. In einer Welt, die voller Schönheit ist, so wie sie gedacht und gemacht ist.

Das wünsche ich uns allen mit herzlichen Grüßen von

Karin Niederkrome  

Bleiben Sie behütet!