Eine Geschichte von Karin Niederkrome

Karneval

Liebe Leserin, lieber Leser,

das Jahr ist nun schon im 2. Monat, der Lockdown dauert immer noch an. Erfreulich, dass die Zahlen der Infizierten weiter zurückgeht. Deutschlandweit liegt der Inzidenzwert inzwischen wieder bei 77. In Bielefeld liegt der Wert schon unter 50, d. h. das Gesundheitsamt kann wieder jeden Infektionsfall nachverfolgen. Am 10.02.21 findet wieder eine Ministerpräsidentenkonferenz mit der Kanzlerin statt. Vielleicht können gebietsweise einige Maßnahmen etwas gelockert werden. Aber der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und mit ihm andere Politiker und Virologen befürchten einen erneuten hohen Anstieg der Infektionen, wenn der Lockdown teilweise oder ganz aufgehoben wird. Ich hoffe sehr, dass Sie verschont geblieben sind, vielleicht sogar schon geimpft worden sind. Ich wünsche es Ihnen sehr.

Und dann kommt noch dieser wunderbare Schnee zu uns, seit vielen Jahren das erste Mal wieder mit solch einer Menge. Einige sprechen von einer Schneekatastrophe. Das ist es bestimmt für die Autofahrer. Aber ich genieße den Blick auf den Winter mit seinen dicken Schneeflocken. Noch verabschiedet sich der Winter nicht, obwohl jetzt eigentlich der Abschied vom Winter gefeiert wird mit dem Karneval, der in diesem Monat auf der ganzen Welt gefeiert wird. Dieses Jahr allerdings eher unbemerkt, still oder gar nicht. Das Letztere wäre das Beste. Auch in Rio de Janeiro ist der Karneval wegen der Pandemie abgesagt worden, der eigentlich vom 12. bis 17. Februar hätte stattfinden sollen.

In den Karnevalshochburgen in Deutschland sind alle Feiern und Umzüge abgesagt worden. So können wir uns in diesem Jahr nur erinnern an die „fünfte Jahreszeit“ wie sie in fast jedem Jahr stattgefunden hat.

Weil ich mich als Lipperin nicht gut mit dem Karneval und Fasching auskenne, gebe ich im Folgenden meine angelesenen Informationen aus Wikipedia weiter: https://de.wikipedia.org./wiki/Karneval,_Fastnacht-und -Fasching:

Eine Art von Karneval gibt es schon seit etwa 5000 Jahren, heißt es dort. Das erste Mal erwähnt in einer Schrift in Mesepotamien. In einer weiteren Schrift aus dem 3. Jahrtausend vor Christus heißt es, dass nach Neujahr ein 7tägiges Fest zu Ehren eines Gottes gefeiert wurde. Demnach durfte an diesen Tagen

kein Getreide gemahlen werden. Außerdem ist in diesen Tagen die Sklavin der Herrin gleichgestellt und der Sklave dem Herrn. Und die Dienenden sind den Herrschenden gleichgestellt. Außerdem wurde und wird an diesen Tagen Kritik an den Mächtigen geübt, was sich in den großartigen Karnevalswagen zeigt. Blumen werden geworfen und Kamelle, Süßigkeiten, ein Abschied in die Fastenzeit. Das alles sind bis heute Merkmale des Karnevals.

Dieses Fest, der Karneval, das meistens im Frühjahr gefeiert wurde, breitete sich im gesamten Mittelmeerraum aus über Ägypten, Griechenland und Italien. In Rom feierte man große Trinkgelage, der Herr wurde der Sklave und umgekehrt, die Mächtigen wurden karikiert. Man bewarf sich mit Rosenblättern, unserem späteren Konfetti oder den Süßigkeiten.

Der Ursprung des Karnevals könnte auch bei den Kelten gelegen haben, die das Ende der dunklen Jahreszeit und den Beginn der helleren Jahreszeit feierten mit einem Umzug von Kobolden, die mit Holzstücken wild um sich schlugen oder mit Ratschen und großem Lärm den Winter vertrieben, so wie die Fastnacht noch heute in Tirol oder Österreich gefeiert wird.

Vom 12. bis in das 16. Jahrhundert feierte man in Europa nach Epiphanias, also nach dem 6. Januar bis zum Beginn der Fastenzeit „Narrenfeste“. Der berühmte Minnesänger Wolfram von Eschenbach berichtet von adligen Frauen in Dollberg, die am Donnerstag vor dem Aschermittwoch verkleidet und mit wilden Tänzen um das Schloss herumtanzten. Vielleicht war das der Beginn der Weiberfastnacht.

Viel Bier und Alkohol wurde an diesen Narrenfesten getrunken. Der Erzbischof der Stadt Köln verbot 1353, dass Alkohol an die Ordensleute und Priester verkauft oder ausgeschenkt werden dürfe. Dieses Verbot wurde schon nach 16 Jahren wieder aufgehoben, denn das Volk feierte die Narrenfeste weiter.

Der Rat der Stadt Köln versuchte immer wieder den Narren den Mummenschanz und die wilden Tänze und den Alkoholkonsum zu verbieten, aber das hatte keinen Erfolg. Die Kölner feierten ihren Karneval. Ein Prinz wurde jedes Jahr gewählt, dazu kam die Wahl des „Bauern“ und später die Wahl der „Jungfrau“. Dieses Dreigestirngibt es bis heute im Kölner Karneval.

Nach der Reformation verlor der Karneval in den evangelischen Gemeinden an Bedeutung. Auch in England feierte man keinen Karneval mehr, weil Heinrich VIII. sich von der Katholischen Kirche losgelöst hatte. Lediglich auf den Burgen und Schlössern fanden Maskenbälle statt, die aber eher an den italienischen Karneval erinnern.

Die katholische Kirche duldete allmählich den Karneval, weil sie ihn sowieso nicht verhindern konnte. Er sollte nun ein Zeichen für das teuflische Leben sein, dass den Gläubigen die Vergänglichkeit vor Augen führen sollte. Mit dem Aschermittwoch war das vergängliche Treiben vorbei, die Fastenzeit begann, und damit die Umkehr der Gläubigen zu Gott.

Noch viele Male ist der Karneval verboten und wieder erlaubt worden. Im 17. Jahrhundert stellte man sogar eine Schutztruppe auf, die die Karnevalisten einsperren sollte. Sie hatte den Namen „Die Funken“. Noch heute haben die Funken auf jeder Karnevalsveranstaltung in Köln mit ihren Uniformen ihre Auftritte auf vielen Karnevalsbühnen. Und natürlich das Funkenmariechen, die Tänzerin vor den Funken.

In Köln organisierten die Zünfte die Karnevalsveranstaltungen, besonders die Gesellen. Da das Zunftwesen immer weniger ausgeübt wurde, übernahmen danach Bürgerliche die Durchführung der Karnevalssitzungen.

Der Ruf „Kölle Alaaf“ breitete sich aus. Ursprünglich rief man „All-aff Collen“, „Alles weg außer Köln“, daraus wurde das „Kölle alaaf“.

In anderen Städten ruft man „Helau!“ Das könnte von dem Halleluja herkommen oder von dem Wort „Hölle auf!“, weil alle bösen Geister am Karneval aus der Hölle kommen sollen.

Es könnte auch von dem „Hell auf!“ kommen, das heißt „Sei aufgeweckt“.

Es sind auf jeden Fall und überall die Jubelrufe, die Jubelrufe, die an Karneval zu hören sind.

Man rief es auf den vielen der bürgerlichen Maskenbälle, denn die Straßenumzüge gab es in der Zeit nicht mehr.

In vielen Bundesländern und einigen europäischen Ländern wird die „Fastnacht“ gefeiert. Es wird gefeiert, bevor die lange Zeit des Fastens beginnt.

Ein anderer Begriff für Karneval wird in den südlichen Bundesländern, Sachsen und Österreich gebraucht. Dort heißt das lustige Treiben „Fasching“. Das Wort kommt ursprünglich von dem Wort „vaschanc“, und bedeutet der letzte Ausschank vor dem Fasten.

Mundartlich wird in Köln von „Fastelovend“ gesprochen und es umfasst den Alt-weiber-Karneval am Donnerstag vor Aschermittwoch, den sogenannten „Kleinen Karneval“. Den Nelkensamstag oder Schmalzsamstag, weil es oft Schmalzgebäck in der Karnevalszeit gibt, den Tulpensonntag, den Rosenmontag bis zum Veilchendienstag.

Der Rosenmontag hat seinen Namen angeblich bekommen, weil ein Papst im 11. Jahrhundert am Sonntag Laetare, dem Sonntag vor dem Aschermittwoch, eine goldene Rose an eine verdiente Persönlichkeit verschenkt habe. Laetare hieß deshalb der „Rosensonntag“. In diesem Jahr liegt der Sonntag Laetare=Jubelt! Freut euch! auf dem 14. Februar. Rosenmontag ist in diesem Jahr also am 15. Februar.

Eine andere Ursache für den Namen „Rosenmontag“ könnte auch sein, dass früher das Wort „feiern“ oder „ausgelassen sein“ > rasen hieß. Es war der Feiermontag, der „Rasenmontag“, aus dem der „Rosenmontag“ wurde.

Das Wort „Karneval“ kommt wahrscheinlich von dem mittelalterlichen „carne levare“, d. h. „Das Fleisch wegnehmen“. Am Aschermittwoch begann die Fastenzeit, in der man kein Fleisch aß. Heute verzichten einige Menschen auf andere Dinge in der Fastenzeit unter dem Motto: „Sieben Wochen ohne …“

Fastenzeiten gab es im Jahr viele. Eine begann nachdem 11.11., dem Martinstag, an dem noch einmal ausgiebig gegessen, getrunken und gefeiert wurde. Alles wurde verspeist, was nicht in der Fastenzeit gegessen werden durfte: Fleisch, Fett, Schmalz, Eier und Milchprodukte. Diese Fastenzeit dauerte bis zur Geburt Jesu.

Eine weitere Fastenzeit begann ursprünglich am 6. Januar, dem „Dreikönigstag“ und dauerte wieder 40 Tage. Vom 12. November an bis zum Donnerstag vor Aschermittwoch gab es keine Narrenfeste oder Karnevalsveranstaltungen.

Daran hielten und halten sich die allermeisten Vereine bis heute.

Bis 1980 war ich Lehrerin an einer Schule in Steinheim in Westfalen. Dort, sagt man, liegt die Karnevalshochburg von OWL und natürlich hatte man schulfrei. An Weiberfastnacht ging man zum Bürgermeister und schnitt ihm seinen Schlips ab mit ausführlichem Pressebericht. In den Klassenräumen wurde schon vor den tollen Tagen Karneval gefeiert mit Verkleidung. Und selbstverständlich begleiteten wir Lehrer die Kinder in ihrem großen Kinderkarnevalsumzug und selbstverständlich trafen sich alle Lehrer der Stadt am Rosenmontag im Café Möck.

Ich machte das alles mit, weil es erwartet wurde. Aber die echten Steinheimer Karnevalisten feierten und riefen sich laut „Man teau! Man teau!“ zu und lebten und liebten ihren Karneval.

Bei uns zu Hause feierten wir keinen Karneval bis auf ein einziges Mal. Das war an dem Tag, als die Hausschneiderin mit ihrer Nähmaschine unterm Arm zufällig an einem Rosenmontag zu uns kam. Sie baute ihre Maschine auf und setzte sich auf Omas Platz an den Küchentisch. „Habt ihr kein Radio? Da läuft der Karnevalszug in Köln!“

Na klar, hatten wir ein Radio. Meine Mutter stellte es auf die Anrichte hinter der Schneiderin. Oma kochte das Mittagessen und saß an diesem Vormittag in einem Sessel neben dem Ofen. Das war ein lustiger Vormittag, wie ich ihn vorher noch nicht in der Küche erlebt hatte und auch später nicht mehr.

Die Schneiderin ratterte die Nähte in die Kleidung und sang laut die Karnevalslieder mit. Meine Mutter und ihre Schwester tanzten in der Küche, hingen sich sogar Luftschlangen um und eine Federboa und sangen die Lieder mit.

Oma saß lachend in ihrem Sessel und schwang ab und zu den Kochlöffel. Meine Schwester und ich saßen sprachlos und ein wenig ungläubig auf Omas Sofa. So etwas hatten wir noch nicht erlebt. Es hat uns ein wenig überrascht. Aber, wenn die Menschen so fröhlich wurden, dann musste der Karneval ja wohl etwas Besonderes sein.

Auch in den anderen Schulen feierte ich mit den Kindern Karneval, aber eigentlich fand ich keinen Zugang dazu, obwohl ich sehr gefeiert habe.

1963 bekamen wir unseren ersten Fernseher. Von da an schauten wir „Mainz bleibt Mainz“ und „Mainz, wie es singt und lacht“ in schwarz-weiß, Farbefernsehen gab es erst 1967. Wir bewunderten die Mainzer Hofsänger in ihren Bajazzo-Kostümen und vor allen Dingen den Karnevalssänger Ernst Neger. Berühmt wurde er duch seine Lieder „Heile, heile Gänsle“, ein altes Kinderlied, „Und dann geht’s Humba, humba, humba, täterä“ und „Rucki, Zucki“, bei dem die Hände hochgehoben wurden, und dreimal in die Hände geklatscht wurde.

Man sah sich die Beiträge sehr genau an und sprach nachher ausführlich darüber, wie schön alles gewesen war. Ich habe Ihnen das Lied vom „Heile, heile Gänsle“ unten aufgeschrieben. Es hat von seiner Aktualität nichts verloren.

In der Nacht vom Veilchendienstag auf Aschermittwoch endete und endet die närrische Zeit. In manchen Gegenden verbrennt man abends eine Strohpuppe, den sogenannten Nubbel. Alle begangenen Sünden im Karneval werden auf den Nubbel gelegt und mit seinem Verbrennen sind auch alle Sünden verbrannt, so glaubten die Menschen. In einigen Gegenden am Rhein wurde der „Hobbeditz“ zu Grabe getragen, der am 11.11. jeden Jahres aus einem Fass herausteigt und die närrische Saison ausruft.

Der Aschermittwoch liegt in jedem Jahr an einem anderen Datum. Er richtet sich nach dem Osterfest. Ostern wird nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsanfang gefeiert. Vom Osterfest rechnet man vierzig Tage zurück und sechs Tage für die Sonntage, die man früher von der Fastenzeit abzog. So dauert die Zeit vom Aschermittwoch bis zum Osterfest 46 Tage.

Am Aschermittwoch gehen die Gläubigen Katholiken in die Kirche und bekommen ein Aschenkreuz auf die Stirn gemalt. Die Asche stammt von den verbrannten geweihten Palmenzweigen des letzten Jahres. Die Asche gilt als Zeichen der Trauer und der Buße und gleichzeitig als ein Zeichen der Hoffnung auf die Auferstehung.

Am Aschermittwoch wird in der katholischen Kirche streng gefastet, wie auch am Karfreitag, der auch in der Evangelischen Kirche der höchste Feiertag ist.

Die Riten sind seit Jahrhunderten ähnlich oder gleich geblieben. Oft sollte der Karneval von der Obrigkeit verhindert werden. Aber die Menschen wollten einmal im Jahr über die Stränge schlagen und ihrer Freude Ausdruck verleihen. Und so hat sich der Karneval bis heute erhalten. Viele evangelische Dörfer und Städte feiern seit einigen Jahren auch Karneval. Aber das wirkt manchmal aufgesetzt und nicht so gelebt wie in den vielen Karnevalshochburgen auf der ganzen Welt.

Ich wünsche Ihnen, dass sie vielleicht auch ein wenig Lust bekommen haben, den Karneval in diesem Jahr zu feiern, wenn auch vielleicht allein in ihrer Familie oder Wohnung.

Corona hindert uns zwar daran, ausgelassen und mit vielen anderen zu feiern, aber Corona hindert uns nicht daran, fröhlich zu singen und zu lachen über so viel Fröhlichkeit, wie wir es alle in den letzten Jahren erlebt haben.

Ich wünsche Ihnen dabei viel Freude

mit herzlichen Grüßen von

Karin Niederkrome

Bleiben Sie behütet!

 

Heile, heile Gänsle, es is bald wieder gut,

es Kätzle hat a Schwänzle, es is bald wieder gut,

Heile, heile, Mausespeck,

in hunnert Jahr is alles weg.

  1. Bei all den kleinen Kinderlein gibt’s manchen großen Schmerz:

Hats Püppchen was am Fingerlein bricht Mutti fast das Herz.

Dann kommt die Mama schnell herbei nimmt’s Kindchen auf den Schoß

und sagt bedauernd: Ei, ei, ei, ja was hat mein Kindlein bloß?

Bewegt sie es ans Herze zieht und singet ihm zum Trost das Lied: Heile, …

  1. Und sind die Kinder größer dann, erwacht im Herz die Lieb,

es dreht sich alles um den Mann, den bösen Herzensdieb,

doch wenn das Herz in Flammen steht vor Liebe, Lust und Glück,

der Mann sehr oft von dannen geht, lässt weinend sie zurück.

Dann singt die Mutter angst und bang das Lied, das sie dem Kinde sang. Heile,…

  1. Das Leben ist kein Tanzlokal das Leben ist sehr ernst.

Es bringt so manche Herzensqual, wenn du es kennen lernst.

Doch brich nicht unter seiner Last und trag, was du zu tragen hast,

geduldig mit Humor

und denk dein ganzes Leben lang ans Lied, das dir die Mutter sang: Heile,…