Eine Geschichte von Karin Niederkrome

Spiele von früher

Liebe Leserin, lieber Leser!

Corona lässt uns nicht los! Nach einem Jahr stehen wir schon wieder vor einer neuen Corona-Welle, der dritten inzwischen. Die Zahl der Infizierten steigt schon wieder, dieses Mal durch die Mutationen des Virus. Es gibt verschiedene Varianten B.1.1.7, die sogenannte englische Variante, , die südafrikanische  B.1.351 oder die brasilianische P.1. Alle Varianten seien ansteckender und gefährlicher als das ursprüngliche Covid-19 Virus. In vielen Bundesländern und einigen Städten breitet sich bei uns die englische Variante aus. Eigentlich sollten die wenigen Lockerungen sofort wieder rückgängig gemacht werden, wenn der Inzidenzwert in Städten oder Kreisen über 100 steigt (mehr als 100 Infizierte von 100 000  innerhalb einer Woche). Das wird aber nicht streng eingehalten. Wir können uns mit Mallorca freuen, dass dort die Inzidenz bei 23 liegt. Es ist kein Risiko-Reisegebiet mehr. Leider wird die Insel nun gestürmt von vielen Urlaubern, die sich nach dem Beschluss der Minister Präsidenten Konferenz vor und nach ihrer Reise testen lassen müssen. Es wird zwar abgeraten von einem Flug und Urlaub auf Mallorca, aber viele wollen oder können einfach nicht mehr hier in Deutschland bleiben. Die Mutation P.1. hat sich leider auch auf Mallorca schon verbreitet. Was ist, wenn die Urlauber dieses gefährliche Virus mit nach Deutschland bringen. England hat seinen Bürgern verboten, nach Mallorca zu fliegen. Ich finde diese Entscheidung sehr gut! Wir können nur hoffen, dass wir mehr Menschen impfen oder testen können, damit wir der Infektion Einhalt gebieten. Viele von Ihnen sind wahrscheinlich schongeimpft worden, worüber ich mich sehr freue. Noch habe ich keinen Termin zum Impfen. Aber ich habe einen Frisörtermin, nachdem ich mir Ende Januar und Ende Februar die Haare selber geschnitten hatte. Und einen Termin bei der Kosmetikerin habe ich auch. Leider kann ich zu ihr nur kommen, wenn ich einen negativen Corona Test vorweisen kann. Dafür habe ich mir sofort einen Termin geholt. Ein bisschen öffnet sich die Welt wieder für mich. Den Kindern in meiner Straße eröffnete sich die Welt schon wieder mit den ersten Sonnenstrahlen. Ja, zur Schule dürfen sie auch gehen für einen oder zwei Tage in der Woche. In Zukunft nur noch, wenn es genügend Tests in der Schule gibt. Aber hier zu Hause sehe und höre ich sie jeden Tag vor und hinter unserem Haus spielen. Vor dem Haus fahren sie mit ihren Inline Scatern, das waren früher unsere Rollschuhe. Die Kinder wechseln sich ab, wenn nicht jedes Kind ein Paar hat. Sie fahren Rennen auf dem Bürgersteig, feuern sich gegenseitig an oder fahren Rennen mit ihren Fahrrädern oder Rollern. Sie sind laut und lachen und haben viel Spaß miteinander. Hinter dem Haus toben sie auf dem Spielplatz, rutschen, klettern wippen, spielen Verstecken und Fangen. Für uns war es damals schwierig, Rollschuh zu laufen. Es gab wenige asphaltierte Straßen. In Detmold gab es eine Rollschuhbahn zum Laufen. Das war eine asphaltierte Fläche neben dem Rocky-Docky, dem heutigen Sommertheater. Aber wer kam da schon hin? Eigentlich spielen die Kinder genauso draußen wie wir früher gespielt haben. Einen angelegten Spielplatz hatten wir allerdings nicht, die Straße und das kleine Wäldchen waren unsere Spielplätze. Wie war das bei Ihnen? Welche Spielplätze haben Sie erobert? Sobald der Schnee abgetaut war und die Schotterstraße wieder trocken war, trafen wir uns mit den anderen Kindern aus der Nachbarschaft draußen auf der Straße. Wir hatten ganz viele Ideen. Sehr gerne spielten wir „Klickern“. Einer bohrte mit seinem Schuhabsatz eine kleine Kuhle in die Straße und trat die Erde rund um die Kuhle wieder fest. Wir machten den Weg bis zu unserem Start schön glatt, räumten die Steine und Steinchen aus der Bahn und dann ging das Spiel mit den Murmeln los. Die kleinsten waren aus Ton gefertigt, manchmal bunt, aber die Farbe spielte sich mit der Zeit ab. Das waren die Einer oder zweier. Toll war es, als es die Glasmurmeln gab, die kleinen 5er und die größeren 10er. Mit den ganz großen, den 20igern, spielte man nicht so oft, aber man konnte sie gegen 20 Tonklicker eintauschen, wenn man keine mehr hatte. Jeder warf nun eine Murmel, möglichst ins Loch. Danach kam der nächste dran bis alle Kinder eine Murmel geworfen hatten. Nun wurden die Klicker, die nicht ins Loch gerollt waren, mit dem Zeigefinger angestoßen. Traf die Kugel ins Loch, durfte man noch einmal klickern. Wer die letzte Kugel ins Loch gestoßen hatte, bekam alle Murmeln. Das Klickern konnte schon mal lange dauern, das Spiel hat einfach Spaß gemacht. Gerne haben wir auch „Himmel und Hölle“ gespielt. Wir zeichneten mit einem Stock einen Hüpfekasten auf die Straße. Jedes Feld hatte eine Nummer, nur der Himmel nicht, ganz oben am Hüpfekasten, da konnten wir uns ausruhen. Wir suchten uns einen möglichst flachen Stein aus, mit dem man gut zielen konnte. Einmal habe ich meine Großmutter vorgeschlagen, mir doch eine kleine Ecke Marmor aus ihrem Frisiertisch auszusägen. Der Stein sei so schön glatt für „Himmel und Hölle“. Sie lächelte: „Ja, so einen Stein hätte ich damals auch gerne zum Spielen gehabt!“ Aber bekommen haben wir ihn beide leider nicht! Hatten wir den Stein in das richtige Feld geworfen, hüpften wir auf einem Bein über dieses Feld hinweg bis in den Himmel, drehten und machten Pause. Zurück hüpften wir auch wieder auf einem Bein bis zum Feld, in dem der Stein lag und nahmen den Stein mit ins Ziel. Jeder konnte so lange spielen, bis er seinen Stein auf eine Linie oder auf ein falsches Feld geworfen hatte. Wie haben Sie „Himmel und Hölle“ früher gespielt? Kennen Sie auch noch das Spiel von der „Goldenen Brücke“? „Goldne, goldne Brücke, wer hat sie denn zerbrochen? Der Goldschmied, der Goldschmied mit seiner jüngsten Tochter. Ziehet alle, alle durch, ziehet alle, alle durch. Der letzte wird gefangen mit Spießen und mit Stangen.“ Zwei Kinder stehen sich gegenüber und halten ihre Hände zusammen nach oben. Die anderen Kinder fassen sich auch an den Händen und bilden eine Schlange. Alle singen das Lied und die Schlange zieht durch die Brücke hindurch. Der letzte wird gefangen. den fragen die beiden Brückenbauer: „Was willst du sein? Engel oder Teufel?“ Seinem Wunsch gemäß stellte sich das Kind nun hinter eines der Kinder, die die Brücke bildeten. Die anderen zogen weiter bis auch das letzte Kind gefangen war. Nun wurde es wieder spannend. Was wurde mit denen gemacht, die Teufel sein wollten? „Die Teufelchen werden gerüttelt, geschüttelt zum Tore hinaus. Und wenn sie nicht wollen, das werfen wir sie raus!“ Hierbei wurde das Kind von rechts nach links zwischen den Brückenpfeilern hin und her geschubst. Zum Schluss wurde eine Sperre geöffnet und das Kind nach vorne hinausgeschubst.  Und die anderen? Die Brückenkinder legen ihre Hände zusammen und bilden einen Sitz, auf dem der Engel Platz nehmen kann und alle singen: „Die Engel werden getragen in einem goldnen Wagen. Klipp, klapp, die Kette reißt ab.“ Es musste nicht immer das Wortpaar „Engel-Teufel“ gebildet werden. Die beiden Brückenkinder dachten sich auch andere gegensätzliche Wortpaare aus. Und manchmal waren die vermeintlichen Engel nachher die Teufel und umgekehrt. Wie war das bei Ihnen? Welche Wortpaare sind Ihnen eingefallen? Mit weniger Kindern konnten wir „Binde Kuh“ spielen, oder „Sackhüpfen“ oder „Eierlaufen“. Wissen Sie noch, wie die Spiele gehen? Blinde Kuh war ja einfach. Man brauchte nur einen Schal, mit dem man die Augen verband. Dann drehte man die blinde Kuh und sie musste uns fangen. Das war gar nicht so einfach, manche ließen sich aber auch gerne fangen, damit die dann die nächste blinde Kuh sein durften. Sackhüpfen war auch einfach. Irgendwo lag immer ein Kartoffelsack herum. Das wäre heute schon schwieriger. Ja, und für das Eierlaufen nahmen wir natürlich keine Eier. Es wäre ein Leichtes gewesen, sie aus dem Hühnerstall zu holen, aber die waren ja viel zu kostbar. Wir legten eine Kartoffel auf den Esslöffel und los ging das Wettrennen auf einer festgelegten Strecke. Viel Spaß hatten wir bei den Spielen: Wir fanden die anderen Kinder nicht so schnell bei der blinden Kuh, liefen irgendwo vor oder eckten an, fielen beim Sackhüpfen auf den Boden, verloren die Kartoffel vom Löffel. Alles war begleitet von lauten Anfeuerungen und Lachen, wenn jemand Pech hatte. Tränen gab es selten. Man wollte sich den Schmerz ja nicht anmerken lassen. Und dann gab es ja auch noch typische Mädchen- oder Jungenspiele: Die Mädchen sprangen gerne Seil, entweder mit dem kurzen Seil für sich alleine oder mit dem langen Seil. Zwei Mädchen schwangen das Seil, und alleine oder zu zweit sprang man in das Seil hinein. „Teddybär, Teddybär, dreh dich um, Teddybär, Teddybär, mach dich krumm, Teddybär, Teddybär, bau ein Haus, Teddybär, Teddybär, du bist raus.“ Das Lied wurde gesungen und dazu gab es noch ganz viele verschiedene Texte. Was haben Sie gesungen beim Seilspringen? Und sehr beliebt bis heute eigentlich ist das Gummitwist-Spiel. Erinnern Sie sich? Auch da gab es eine bestimmte Springreihenfolge und wir sangen dazu: „Beim Bäcker hat’s gebrannt, brannt, brannt. Da bin ich hingerannt, rannt, rannt. Da kam der Polizist, zist, zist, der schrieb mich auf die List, list list. Die Liste fiel in Dreck, dreck, dreck, da lief ich ganz schnell weg, weg, weg.“ Was haben Sie dazu gesungen? Die Jungen spielten sehr gerne Fußball, wenn sie denn einen Fußball hatten, sonst nahmen sie eine leere Blechdose. Jungen rollten auch gerne Reifen mit einem Stock, keine Gummireifen, sondern Felgen der Fahrräder oder selber gebundene Reifen aus Haselnussstöcken. Ein Taschenmesser zum Schnitzen und schneiden hatten alle Jungen dabei. Sie liefen neben ihren Reifen um die Wette. Die Jungen spielten auch gerne im Wald Räuber und Gendarm oder Cowboy und Indianer. Die Spiele waren meistens laut und wild. Selten durften wir Mädchen einmal mitspielen. Und wenn, dann waren wir sehr schnell die Gefangenen. Bestimmt fallen Ihnen noch ganz viele Spiele ein, die ich hier gar nicht erwähnt habe. Ich wünsche Ihnen ganz viel Freude beim Austausch über Ihre Spiele und Lieder, die Sie dabei gesungen haben.

Für heute grüße ich Sie herzlich

Karin Niederkrome   Bleiben Sie behütet!